Reborn

Online ist Alltag längst zu einem Performance-Genre geworden: Füttern, Flüstern, Auspacken, „Get ready with me“. Selbst Muttersein wird als Content feedgerecht inszeniert. Reborn-Puppen – hyperrealistische Baby-Nachbildungen, die auf TikTok oder Instagram liebevoll gepflegt werden – sind nur ein besonders bemerkenswertes Beispiel dafür.
In Reborn zerrt Winnie Luzie Burz Social-Media-Ästhetiken auf die Theaterbühne. Digitale Archetypen werden live nachgestellt und treffen auf Körper, Sound und Glitches – simultan wird via Twitch ausgestrahlt. Puppentheater, Performance und Webstream verschmelzen.
Reborn handelt nicht wirklich von Babys. Sondern davon, wie das Internet uns lehrt, Intimität zu performen.

 

Spiel, Ausstattung, Konzeption: Winnie Luzie Burz, Sound: Johannes Treß, Support: Laura Oppenhäuser

 

Gefördert vom Kulturamt der Stadt Freiburg, dem Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V. (LaFT) und dem FITZ Stuttgart – Das Theater animierter Formen.

Aktuelle Kritik des Fidena-Online-Portals:

Während sie sich vor laufender Handykamera und real anwesenden Zuschauer*innen einen Make-up Look schminkt, lotet sie nicht nur Schichten des Make-ups aus, sondern befragt Ebenen der (Gleich-)Zeitlichkeit. In einem rasend schnellen Monolog dient die Make-up Grundierung als Bezugsrahmen, um über temporale Erfahrungen in einer komplex verdichteten Sprache nachzudenken. Ihr Chat-Reel-Sprech wird zum ausgeklügelten Diskurs über Alltäglichkeiten, Ästhetiken und Algorithmen. Belanglose Aussagen zu Glitzer und Schimmer überlappen sich mit bedeutungsschwangeren Statements. Burz übernimmt Haltungen und Ästhetisierungen eines digitalen Alltags, die keinen linearen Argumentationsketten folgen, sondern Erfahrungen von Zeit performen und befragen. Das ist alles voller Witz, doch stets ohne Hohn. So entsteht im Kontext von digitaler Technologie fantastische Kunst.

(Jutta Kraus, Freiburg)

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